„Zeitung muss sich neu erfinden“

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Heinz Alt, Unternehmensberater

Digitale Transformation in der Medienbranche – ein Wandel im Schneckentempo. So war es bisher. Mit der Geschwindigkeit der letzten Jahre lässt sich Zukunft nicht gestalten. Zu einschneidend sind Veränderungen und Einfluss neuer Technologien auf die Medienbranche. Die Entwicklung neuer KI-Anwendungen ist atemberaubend.

Ein ohnehin schon sehr herausforderndes Umfeld wird nicht einfacher. Nach der Internetrevolution haben Medienhäuser Werbeeinnahmen verloren. Allein in den USA sind in den letzten zwei Jahrzehnten mehr als 3000 Zeitungen verschwunden. Jetzt befinden wir uns mitten in der KI-Revolution und Tech-Giganten bedrohen bereits die Einnahmen aus Abonnements.

Und es wird nicht besser: Mediaplanung wird in zehn Jahren vollständig automatisiert sein. KI-gesteuerte Self-Service-Plattformen bestimmen den Fluss der Werbegelder. Inhalte im Netz werden von KI-Agenten kuratiert. Und Printzeitungen werden zu einem Minderheitenangebot.

Die Perspektiven für die Zeitungslandschaft in Deutschland:

Eigentum bleibt der Schlüssel zum Überleben von Zeitungen. Zeitungsgruppen bauen ihre Präsenz weiter aus. Die Konsolidierung nimmt weiter Fahrt auf.

Als ernstzunehmendes Gegengewicht erobern lokale, technikgetriebene Onlinemedien den Markt für Regionen, wo herkömmlicher Lokaljournalismus nicht finanzierbar ist. Noch fehlt jedoch in Deutschland den vielen Medienneugründungen derzeit eine nachhaltige Finanzierung. Damit sich weitere Non-Profit-Projekte mit stark lokal verankertem Journalismus entwickeln können, müssen sich Rahmenbedingungen ändern.

Lokalzeitungen, die weiterhin den Weg der Selbstbestimmtheit wählen, müssen das Potenzial der transformativen Kraft der KI im Journalismus nutzen. Lokale Medien müssen auswählen, was sie leisten können, um weiter relevant zu bleiben, und auf welche Aufgaben sie verzichten und/oder von KI erledigen lassen können.

Transformation bis 2036 bedeutet, dass sich Zeitungshäuser in den kommenden zehn Jahren darauf einstellen, dass das bisherige bewährte Geschäftsmodell ausläuft, weil wesentliche Erlössäulen erodieren – auch weil sich Medienkonsum, insbesondere jüngerer Menschen, unumkehrbar wandelt.

Zeitung muss sich neu erfinden: Mit der Individualisierung von Nachrichten, einem personalisierten Dialog, einer Zeitung als Vertrauens-Anker mit gemeinsamen Erlebniswelten, der digitalen Sichtbarkeit durch maschinenlesbare Inhalte und mit Bezahlmodellen, mit denen sich auch in einer KI-Zukunft Geld verdienen lässt.

Meine tiefe Überzeugung: Starke Medienmarken mit innovativen Inhalten und hoher Glaubwürdigkeit wachsen. Denn die Krise des Journalismus ist keine Krise des Interesses. Die Menschen wollen guten Journalismus. Es ist eine Krise des Geschäftsmodells. Und die ist lösbar.

 

Heinz Alt ist selbstständiger Unternehmensberater und verfügt über mehr als 30 Jahre Verlagserfahrung in zahlreichen Führungspositionen, Geschäftsführung und Company-Building in verschiedenen Medienhäusern in Deutschland. Er berät Verlage, Medien-Start-ups und digitale Publisher und ist selbst Teilhaber einer aus einem Start-up erwachsenen App-Agentur. Seine Mission ist die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle für Lokaljournalismus mit Fokus auf die junge Zielgruppe. Alt ist Mitgründer des Medien-Start-ups MOXIOS.