Innovatives Modell, geringer Platzbedarf

Google führt mit Unterstützung von Verlagen eine Funktion für interaktive E-Books ein

„Expert Intelligence“ ermöglicht es Lesern, gekaufte E-Books mithilfe von KI zu durchsuchen, und geht dabei gleichzeitig auf urheberrechtliche Bedenken ein, die andere große Sprachmodelle bisher geplagt haben – ein Unterschied, der das System nach Angaben der Verlage von anderen abhebt. Doch Googles geringer Marktanteil im E-Book-Bereich schränkt das unmittelbare Potenzial von „EI“ ein. Update: Elsevier bringt „Nora AI“ für die Ausbildung im Gesundheitswesen auf den Markt

Veröffentlicht: 31.8.2026 | Foto / Video: Google  |  KI-generierte Übersetzung des Originalartikels

Google hat „Expert Intelligence“ (EI) vorgestellt, eine KI-Anwendung, die es Lesern ermöglicht, mit über Google Play Books gekauften E-Books zu interagieren. Damit setzt das Unternehmen einen neuen Kurs in der umstrittenen Beziehung zwischen Technologieunternehmen und Verlagen hinsichtlich der KI-Entwicklung. Die Funktion, die mit mehr als 100.000 englischsprachigen Titeln – vorwiegend Sachbüchern – gestartet wurde, ermöglicht es Nutzern, über das Google-Tool „Gemini Notebook“ Fragen zu stellen, Quizze zu erstellen und Infografiken auf der Grundlage von Buchinhalten zu erstellen.

Die Resonanz seitens der Verlage war ausgesprochen positiv. Der entscheidende Unterschied: Google arbeitet direkt mit den Verlagen zusammen, um die den Nutzern bereitgestellten Informationen gezielt herauszufiltern und sicherzustellen, dass die Antworten ausschließlich aus dem gekauften Buch stammen und nicht aus aggregierten Trainingsdaten, wie sie von den meisten großen Sprachmodellen verwendet werden.

Warum dies gerade jetzt wichtig ist und wie die Technologie funktioniert

Die Markteinführung erfolgt zu einem entscheidenden Zeitpunkt für das Verhältnis der Verlagsbranche zur KI-Technologie. Im Juli 2026 reichten Verlage und Autoren eine Klage ein, in der sie Google vorwarfen, bei der Entwicklung seiner Gemini-KI-Modelle in großem Umfang Urheberrechtsverletzungen begangen zu haben. Vor diesem Hintergrund stellt „Expert Intelligence“ einen Versuch dar, zu zeigen, wie KI-Anwendungen innerhalb der bestehenden urheberrechtlichen Rahmenbedingungen entwickelt werden können.

„Expert Intelligence“ wurde vom Sachbuchautor Stephen Johnson entwickelt, der im Juli 2022 zu Google Labs kam. Die Anwendung ermöglicht es Nutzern, Fragen zu Büchern zu stellen, die sie gerade lesen, wobei die Antworten entweder als direkte Zitate oder als von KI generierte Zusammenfassungen des Inhalts bereitgestellt werden.

Zu den weiteren Funktionen gehören die Möglichkeit, Präsentationen zu erstellen, Infografiken zur Hervorhebung wichtiger Daten zu gestalten und Quizze zu erstellen. Nutzer können zudem das Fachwissen aus mehreren gekauften Büchern mit ihren eigenen Materialien kombinieren – beispielsweise indem sie Tagebucheinträge zusammen mit einem Gesundheitsbuch hochladen, um personalisierte Ratschläge zu erhalten.

Entscheidend ist, dass das System den Besitz des Buches über Google Play Bücher voraussetzt. Wenn ein Nutzer ein Notizbuch mit einem Buch freigibt, müssen die Mitbearbeiter ihr eigenes Exemplar erwerben, um auf diesen Inhalt zugreifen zu können.

Elsevier bringt KI-Assistenten für E-Books im Gesundheitswesen auf den Markt

Google ist nicht das einzige Unternehmen, das sich für eingebettete, auf Quellen basierende KI-Tools einsetzt: Nur wenige Tage vor der Ankündigung von Google, Der Wissenschaftsverlag Elsevier hat „Nora AI“ für die Ausbildung im Gesundheitswesen eingeführt. Nora AI ist über die „Bookshelf“-Plattform von VitalSource in die E-Books von Elsevier integriert und ermöglicht es Studierenden und Lehrenden, Lehrbuchinhalte direkt im Rahmen ihres Arbeitsablaufs abzufragen. Ähnlich wie Googles EI bezieht Nora AI ihre Antworten ausschließlich aus den zugewiesenen, von Fachkollegen begutachteten Kursinhalten und nicht aus dem offenen Internet. Dabei bietet es sokratisches Coaching („Tutor-Modus“), um Studierenden im Gesundheitswesen dabei zu helfen, kritisches Denken für die klinische Praxis zu entwickeln.

„Die Ausbildung im Gesundheitswesen befindet sich an einem entscheidenden Wendepunkt, da künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten eröffnet, um das Lernen der Studierenden und den Unterricht der Lehrenden zu unterstützen“, erklärte Brent Gordon, Präsident des Bereichs Global Healthcare Education bei Elsevier, in einer Stellungnahme. „Nora AI bietet Studierenden zeitnahe Unterstützung im Rahmen des Lernprozesses und stellt Lehrenden eine zuverlässige Ressource zur Verfügung, die ihren Unterricht ergänzt.“

Beteiligung von Verlagen und Expansionspläne

Zum Start von Google sind Titel großer Verlage dabei: Bloomsbury, De Gruyter Brill, Johns Hopkins University Press, Macmillan, O’Reilly Media und Penguin Random House. Google hat außerdem mit mehr als 15 Bestsellerautoren – darunter Steven Pinker, Michael Pollan und Jennifer Wallace – zusammengearbeitet, um „Featured Notebooks“ zu erstellen, die ihre Bücher durch zusätzliche, sorgfältig ausgewählte Quellen ergänzen.

Johnson wies darauf hin, dass diese Funktion über Sachbücher hinaus auch auf Lehrbücher, wissenschaftliche Zeitschriften und selbstveröffentlichte Werke ausgeweitet werden könnte. Derzeit ist die Funktion auf Titel beschränkt, die über Google Play Books erworben wurden, doch Inhalte mit „Expert Intelligence“ sollen künftig auch über weitere Produkte verfügbar sein, darunter die Gemini-App und den KI-Modus in der Suche.

Vergleichbare Ansätze im Audio- und Medienbereich

In der Hörbuch- und Audiobranche steht das Konzept hinter „Expert Intelligence“ im Einklang mit mehreren neuen, KI-gestützten Formaten.

PageMatch2342423-1920x960

Reaktion der Branche: vorsichtiger Optimismus

Die Reaktionen der Verlage konzentrierten sich auf Googles Ansatz zum Urheberrechtsschutz und die Kaufpflicht. Nihar Malaviya, CEO von Penguin Random House, erklärte, dass „Expert Intelligence“ „ein Beispiel dafür ist, wie Anwendungsfälle für KI verantwortungsvoll entwickelt werden können“. Er lobte insbesondere Googles Engagement, Urheberrechtsschutz und transparente Quellenangaben in das Nutzererlebnis zu integrieren.

Mary Rasenberger, Geschäftsführerin der Authors Guild, bezeichnete EI als „einen positiven Schritt vorwärts bei der legitimierten Nutzung von Büchern im KI-Ökosystem zum Nutzen von Lesern, Verlagen und Autoren gleichermaßen“. Sie merkte jedoch an, dass sie – ohne die konkreten Vertragsbedingungen zu kennen – weiterhin zuversichtlich sei, dass „diese Art von Vereinbarungen neue Zielgruppen für Bücher erschließen“ und gleichzeitig sicherstellen sollten, dass Autoren und Verlage die Kontrolle behalten.

Die Autorin Kim Scott, deren Managementbuch „Radical Candor“ aus dem Jahr 2017 ebenfalls Teil der Markteinführung ist, erklärte, sie sei überzeugt, dass „Expert Intelligence“ das Leseerlebnis ihrer Bücher verbessern und den Lesern einen effizienteren Zugriff auf bestimmte Passagen ermöglichen werde, ohne dass diese manuell gesucht werden müssten.

Auswirkungen auf die Zukunft der KI im Verlagswesen

„Expert Intelligence“ stellt ein mögliches Modell dafür dar, wie Technologieunternehmen KI-Anwendungen entwickeln könnten, die sowohl den Wunsch der Nutzer nach verbesserter Funktionalität als auch die Anforderungen der Verlage an den Urheberrechtsschutz erfüllen. Die Kaufverpflichtung geht auf eine grundlegende Sorge ein: dass KI-Tools Buchinhalte bereitstellen könnten, ohne dass den Rechteinhabern Einnahmen daraus entstehen.

Allerdings bleiben noch einige Fragen offen.

  • - Die finanziellen Bedingungen zwischen Google und den teilnehmenden Verlagen wurden nicht bekannt gegeben.

  • - Für kleinere Verlage ist unklar, inwieweit das Programm für sie zugänglich ist.

  • - Die Beschränkung der Funktion auf Käufe bei Google Play Books wirft zudem Fragen zur Marktdynamik auf, da der Marktanteil von Google im E-Book-Bereich im Vergleich zu Amazon deutlich geringer ist. – Bislang bewegt sich diese KI-Offensive eindeutig in einer Nische.

Dennoch deutet die positive Resonanz seitens der Verlagsleiter darauf hin, dass Expert Intelligence etwas Bedeutendes erreicht hat: den Nachweis, dass die Verbesserung des Leseerlebnisses durch KI und die Achtung des Urheberrechts sich nicht gegenseitig ausschließen müssen. Ob sich dieser Ansatz als Branchenstandard durchsetzen wird, hängt sowohl von seinem kommerziellen Erfolg als auch von der Bereitschaft anderer Technologieunternehmen ab, ähnliche, auf den Schutz des Urheberrechts ausgerichtete Konzepte zu übernehmen.

Innovatives Modell, geringer Platzbedarf